„Aufzeichnungen eines Außenseiters“ (Charles Bukowski)

Ein Trinker stolpert zwischen Jobs und Kneipen und Schnapsläden hin und her, immer auf der Suche nach einer gesunden Mischung aus Leben und Ruhe und irgendwie auch Frieden. 

Die „Notes of a Dirty Old Man“ waren mein erstes, freiwilliges gelesenes Buch, seit ich irgendwo in meiner Kindheit aufgehört hatte, mich für die Geschichten der drei ??? zu interessieren. Und so weit sich die Spanne zwischen den ??? und Bukowski zog, so eng schmiegten sich diese Kolumnen an das, was ich seinerzeit lebte und erlebte. Es machte überhaupt keinen Unterschied, ob ich an diesem Sonntagnachmittag – zerschmettert von tagelangem Wachsein – in dem Buch las, das ich irgendwo hatte mitgehen lassen, oder ob ich den Kopf hob und den Leuten zuhörte, die ich zwar nicht wirklich kannte, die aber alle dieses eine Geheimnis mit mir teilten.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Literatur in meinen Augen was für Gymnasiasten. Für Leute mit Geld. Für Leute mit Zukunft. Aber an diesem einen Tag änderte sich das alles. Und auch wenn ich mich weder an die Wohnung, noch an irgendeine Person dieses denkwürdigen Tages erinnere, die „Aufzeichnungen eines Außenseiters“ hatte ich auch dann noch im Kopf (und in der Tasche), als ich wieder so weit im Leben stand, dass ich wieder geradeaus gucken konnte. Ich las das Buch noch einmal. Und war Bukowski-Fanboy.

Später, als ich mehr von ihm gelesen hatte, bemerkte ich, dass sich vieles wiederholte. Und ich fragte mich, ob ich das nicht besser könnte. Schließlich hatte ich so viel mehr erlebt und gesehen und gespürt. (Mein Ego war schon damals exorbitant groß.) Also setzte ich mich hin und schrieb. Aus dem Fleisch, durch das Herz, in die Finger, aufs Papier. (Damals schrieb ich noch in diese kleinen schwarzen Notizbücher.) Solange, bis mich ein sehr großer und sehr überzeugender Mann – gegen meinen Willen – auf eine Bühne zwang. Und als ich wieder herunterstieg, fiel ich kopfüber in einen offiziellen Künstlernamen und meine erste Buchveröffentlichung: „Rausch-Hour“.

Das war mein Weg in die Literatur. In eine Kunstform, die mir mehr als einmal den Arsch gerettet hat. Eine Kunstform, der ich so vieles zu verdanken hab. Menschen. Geduld. Selbstreflektion. (Geld nicht. Da is sie eigen, die Kunst.) Und begonnen hat alles mit diesem einen Buch. Charles Bukowskis „Notes of a Dirty Old Man“.

Danke, Buk.