ALLER ANFANG IST NÜCHTERN

Gestern hab ich was gelesen, das hat mich hart ins Stocken gebracht. Das war kein Interview, aber es ging um eines. Glaub ich. So ganz hab ich die Dramaturgie da nicht verstanden, aber vielleicht muss ich das auch garnicht, vielleicht ist das, was am Ende steht, das, was wirklich wichtig ist; aber von vorne.

Angefangen hat das alles mit einem Absatz in Tobi Katzes Blog Endlich wieder aufstehen. Es ging um Rebellion und um Trolle und um Facebook, und auch darum, dort nicht mehr jeden Scheiß zu kommentieren, der ihm quer geht, sondern eben einen Blogartikel darüber zu schreiben. Darüber zu schreiben und darüber nachzudenken, warum ihm der Scheiß so quer geht. Und dieser Abschnitt, der ließ mich dann darüber nachdenken, was mir so alles quer geht … und dann hatte ich plötzlich ein Bier in der Hand. Und immer wenn ich aktuell ein Bier in der Hand (oder auf dem Schreibtisch oder neben dem Bett stehen) hab, dann heißt das „Gute Nacht Produktivität, hallo Verdrängungsmechanismen!“ Weil ich irgendwann damit angefangen hab, beim Schreiben nicht mehr zu saufen. Und dann hab ich mich gefragt, wann ich mit der Scheiße eigentlich angefangen hab? Und warum überhaupt?

Man kann nicht nicht trinken

Ich glaube, das hatte was mit literarischer Qualität zu tun. Dass ich dachte, ich könne besser ausformulieren was ich zu sagen habe, wenn ich nur nüchtern und klar und überlegt bleibe. Oder damit, dass mich Leute glauben machen wollten, dass dem so sei. Und damit, dass ich das dann angenommen hab – Sender und Empfänger. (Watzlawick! Watzlawick!) Und manchmal mag das ja auch richtig sein. Wenn man konzentriert an irgendwas arbeitet, zum Beispiel. Da ist es wahrscheinlich nicht von Vorteil, wenn du nicht mehr geradeaus gucken kannst. (Sidekick: Aktuell lese ich das Buch „Am Kreativsten bin ich, wenn ich bügle“. Darin erzählen 88 berühmte Künstler von ihren Tagesabläufen. Ihr würdet euch wundern, was da so alles los ist und war und weiter sein wird. Dass zum Beispiel Hunter S. Thompson bei seiner Agenda auch nur einen einzigen Satz zustande bekommen hat, grenzt an ein Wunder. Aber das hat er. Und dabei eine neue journalistische Gattung an den Start gebracht hat er auch. Weil er sich von keinem hat sagen lassen, dass man beim Arbeiten besser die Finger vom Zeuch lässt.) (Unglaublich, wie alt dieser Mann geworden ist. Und wie dieser Mann alt geworden ist, ist noch unglaublicher.) Aber wenn es um Dinge geht, die keinerlei literarischen Anspruch hegen. Ich mein so gar keinen! Wenn es nur darum geht, bisschen Dampf aus dem Kessel zu lassen und tief in der Unzufriedenheit mit mir und euch und dieser ganzen Kackwelt da draußen rumzurühren! Sowas lässt sich doch nicht nüchtern und klar und überlegt ausformulieren! Das braucht doch bewusstseinserweiternde … Alles! 

Zehn Bier und was die andren wollen

Und darum werd ich jetzt diese Blog-Büchse hier öffnen. Ich werd sie öffnen, und ich werd die Kommentar-Funktion ausschalten. (Und zwar weil mir diese sarkastische Social-Media-Diskussionskultur so unfassbar auf die Eier geht. Dieses „Ja aber“-Gelaber. Dieses „Ich bin viel zynischer als du“-Gequatsche. Echt jetzt. Das nervt! Wenn ich diskutieren will … Weiß ich nicht. Will ich nicht.) Dann gibt es einen Sender ohne stimmberechtigten Empfänger. Weil die nerven. (Darum schreib ich Bücher. Das ist meine Welt, das ist meine Meinung, geh und nimm sie an. Oder lass es. Aber lass mich in Ruhe.) (Es sei denn, du magst was ich mache, dann darfst du gerne kommen und mit mir trinken.) Und ich werd hier unreflektiert und unüberlegt und auf literaturpolitische Belange scheißende Sachen outputten. Und ich werde outputten sagen. Und wisst ihr warum? Weil ich da Bock drauf hab. Und ich werd dabei trinken. Mindestens. Weil ohne Rausch kein Leben und ohne Leben kein erleben und ohne erleben keine Literatur. (Wusste schon Jack Kerouac, lange vor den ersten „On the Road“ Skizzen.) Und ich spreche von der ehrlichen und echten und wahrhaftigen (und wahrhaftig werd ich auch sagen!) Literatur und nicht von der anderen. Nicht weil ich die andere Literatur unzureichend finde, sondern weil sie mir am Arsch vorbei geht. 
Meistens. 
Manchmal auch nicht, aber das hat dann auch seine Berechtigung. (Wahrscheinlich, weil ich vorher „Die allertraurigste Geschichte“ gelesen hab und dann so ne Art Eichung brauche. Wie wenn du nach einem viel zu anstrengendem Arthouse-Film erstmal eine Stunde „Sarah & Marc in Love“ sehen musst, bevor du dich wieder der normalen Welt zuwenden kannst.) Aber dazu ein andermal mehr.
Vielleicht.

In diesem Sinne: Prost.
Wir lesen uns.
Ihr Ficker.


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